Raoul Dufy (1877 - 1953)

Raoul Dufy wird am 3. Juni 1877 in Le Havre in eine in bescheidenen Verhältnissen lebende Familie mit 9 Kindern geboren. Mit 14 Jahren verlässt er die Schule und beginnt für ein Kaffeeimporthaus zu arbeiten. Ein Jahr später besucht er Abendkurse an der Städtischen Zeichenschule von Honfleur. Er malt kleine Selbstportraits und porträtiert Mitglieder seiner Familie. Nach dem Militärdienst erhält er ein Stipendium der Stadt Le Havre. Er schreibt sich an der Ecole des Beaux-Arts in Paris bei Léon Bonnat ein, wo er Othon Friesz trifft, mit dem er sich ein Atelier am Montmartre teilt.

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Bei seiner ersten Ausstellung im "Salon des Artistes francais" nimmt Raoul Dufy mit einem Ölgemälde von Le Havre teil. Seine Arbeit ist von den Impressionisten und von Boudin beeinflusst. Er malt Landschaften der Pariser Umgebung und der normannischen Küste. 1902 lernt der junge Maler die Galeristin Berthe Weill kennen. Sie ist die erste, die ein Pastellbild von ihm kauft. Im Jahr darauf kauft Maurice Denis anlässlich des "Salon des Indépendants" eines seiner Gemälde. An diesem Salon nimmt Dufy bis 1936 zunächst regelmäßig, dann mit Unterbrechungen teil. Im Jahre 1904 reist Dufy mit Marquet nach Fécamp. In Paris zieht er um und lässt sich in der Rue Boubon nieder. Er nimmt an einer Gemeinschaftsausstellung bei Berthe Weill teil und entdeckt das Werk von Matisse, das ihn allmählich zum Fauvismus führt. Zu Beginn seiner fauvistischen Periode (1906), arbeitet er mit Marquet in Trouville und mit Friesz in Falaise. Er hängt seine Bilder in der Galerie von Berthe Weill auf, wo er bis 1943 immer wieder ausstellt. In Begleitung von Marquet beginnt er im Sommer zwischen Le Havre und Trouville die Serien "Rues pavoisées" und "Affiches à Tourville" zu malen.

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Die Musikkapelle in Le Havre (Privatbesitz)

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Stoffmuster (Sammlung Bianchini Férier)

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Dufys materielle Situation wird schwierig, als ihn sein Händler im Stich lässt. Er experimentiert mit Holzschnitten. Er hält sich in Begleitung von Georges Braque in Marseille auf, später in L'Estanque (1908). Unter dem Einfluss des (OEuvre von Cézanne löst er sich vom Fauvismus und konzentriert sich auf die Studie der Struktur von Bäumen, Tieren, Objekten (Stillleben) und Menschen. 1909 richtet Dufy sein Atelier in der Rue Seguier ein und unternimmt mit Othon Friesz eine Reise nach München. Er hält sich in Orgueville in der "Villa Médicis Libre" auf, wohin es viele junge Künstler zieht. Als der Maler und Graveur sein Atelier in die Rue Linné verlegt, freundet er sich mit den Dichtern Guillaume Apollinaire und Roger Allard an. Nach einem Aufenthalt in Antibes heiratet Dufy in Paris Eugénie Emilienne Brisson. Sein neues und letztes Atelier befindet sich am Montmartre. Dufy lernt den Modeschöpfer Paul Poiret kennen, für den er mehrere grafische Entwürfe realisiert, darunter auch Stoffdrucke. Zusammen bauen sie "die kleine Fabrik" auf, in der handbemalte und mit Holzschnitten bedruckte Stoffe hergestellt wurden. 1912 schließt Dufy mit dem Lyoner Seidenhaus Bianchini-Férier einen Vertrag ab und verpflichtet sich Entwürfe mit Gouachen und Aquarellen für Stoffe zu liefern. Diese Zusammenarbeit setzt sich auch während des Krieges fort. Bis 1928 entwirft Dufy Stoffe ausschließlich für Bianchini.

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1913 begibt sich Raoul Dufy nach einem Aufenthalt in Südfrankreich nach Venedig. Als er 1915 eingezogen wird, verschafft ihm Camille Bloch, Bibliothekar im Kriegsmuseum, eine Stelle dort. Dufy fertigt für mehrere Publikationen Holzschnitte, einige mit patriotischen Themen. Auch seine Fahnenmotive sind in den Stoffprojekten präsent. Er illustriert mehrere Bücher mit Stichen und lemt Paul Valéry kennen. 1919 hält sich Dufy erstmals in Vence auf. Ein Jahr später unterzeichnet er einen Vertrag mit der Galerie Bernheim-Jeune (bis 1929). Raoul Dufy entwirft mit Fauconnet die Bühnenbilder und Kostüme für "Le boeuf sur le toit (Der Ochse auf dem Dach) von Jean Cocteau. 1921 nimmt er erstmals am "Salon des Artistes Décorateurs" teil. Raoul Dufy besucht Rennen und interessiert sich für die Bewegung in der Malerei. Er lernt den katalanischen Keramiker Josep Llorens Artigas kennen, mit dem er ein paar Jahre später bis 1938 zusammenarbeitet. Das Aquarell wird zu seinem wichtigsten Ausdrucksmittel. Immer häufiger werden seine Werke in Gruppen- und Einzelausstellungen gezeigt. Außerdem entwirft er die Bühnenbilder für das Ballett der Oper "Frivolant". Die Ausstellung in der Galerie "Le Centaure" in Brüssel sowie Kritiken von André de Ridder verschaffen ihm die Gunst des belgischen Publikums.

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Das Rathaus am 14. Juli (Privatbesitz)

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Von 1924 an befasst sich Dufy mit der Technik von Tapisserien. Er hält sich in London und Südfrankreich auf und unternimmt mit Paul Poiret eine Reise nach Marokko, wo er eine Reihe von Aquarellen erstellt. 1928 reist er nach Belgien. Er beendet seinen Vertrag mit Bianchini­Férier. Er hält sich in Deauville auf, wo er viel malt, und entwirft für die Manufaktur von Beauvais Bezugsstoffe mit Pariser Motiven. Seine Arbeit als Illustrator ist sehr intensiv. Zwischen seinen Aufenthalten in England und Südfrankreich hat er zwei Einzelausstellungen in Brüssel, eine im Jahr 1931 und eine weitere 1934 im Palais des Beaux-Arts. Nach einem Treffen mit dem Chemiker Jacques Maroger verwendet Dufy eine neue Ölfarbtechnik mit lichtdurchlässigen Farbpigmenten 1936/37 ist der Künstler mit der Realisierung eines riesigen Wandbildes für den Pavillon "Elektrizität' auf der Weltausstellung in Paris beauftragt: "La fée électricité", welches die Entdeckung des Stroms erzählt.  

Paddock in Nizza (Privatbesitz)

Ende der 30er-Jahre nimmt die internationale Bekanntheit des Künstlers weiter zu, jedoch ist sein gesundheitlicher Zustand aufgrund einer Polyarthritis angeschlagen. Von 1937 bis 1940 malt Dufy zwei Fresken für das Affenhaus "des Jardin des Plantes" sowie eines der beiden Wandgemälde für die Bar des neuen Theaters im Palais de Chaillot. Friesz malt das andere. Der Krieg bringt ihn 1939 nach Orne. Dort wird er durch den Einmarsch der Deutschen vertrieben und findet Zuflucht in Nizza. An der Riviera entwirft er weitere Wandteppiche und Illustrationen (Zeichnungen und Aquarelle).

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Ab 1946 erforscht Raoul Dufy ein neues Gebiet, die einfarbige Malerei. Er stellt erstmals im "Salon des Tuileries" aus und lässt sich in Perpignan nieder. Er reist nach Spanien und hält sich dann in den Vereinigten Staaten auf, wo er aufgrund seiner Polyarthritis ins Krankenhaus eingeliefert werden muss. Von 1951 an werden seine Ausstellungen jenseits des Atlantiks immer häufiger. Auch in Knokke-le-Zoute wird er mit einer Retrospektive geehrt. Dufy konzipiert die Bühnenbildprojekte für "L'invitation au Château' (Einladung ins Schloss) von Jean Anouilh, in der Inszenierung von Gilbert Miller. 1952 erhält der Maler den Großen Preis der XXVI. Biennale in Venedig, wo er Frankreich vertrat. Er lässt sich wegen des milden Klimas in Forcalquier nieder und stirbt dort am 23. März 1953


Francoise Safin (Konservatorin am Museum für Moderne und Zeitgenössische Kunst der Stadt Lüttich) verfasste diesen Beitrag als Pressemitteilung für die Dufy-Ausstellung (14.9.-18.11.2001)