Einführung in die Geschichte des Deutschen Ordens

 

Während des 3. Kreuzzuges gründeten Bremer und Lübecker Bürger während der Belagerung von Akkon ein Feldhospital für arme, kranke und verwundete deutsche Kreuzfahrer. Kurz darauf  gründeten deutsche Ritter nach dem Vorbild des  Johanniterordens (Hospitalritter des hl. Johannes von  Jerusalem) im gleichen Gebäude eine Hospitalbruderschaft, die am 6. November 1191 von Papst Clemens III genehmigt wurde. 1198 wurde die Bruderschaft in einen Ritterorden umgewandelt und wurde zum Konkurrenten des Templerordens beim Kampf gegen die Heiden. 1199 bestätigte Papst Innozenz III den Deutschen Orden und verlieh ihm das gleiche Statut wie dem Templerorden. Die Mit-glieder des Ordens rekrutierten sich aus den adligen deutschen Familien. Zahlreiche Schenkungen im Mittelmeerraum sorgten für eine stabile wirtschaftliche Grund-lage. Die Deutschordensritter trugen einen weiten weißen Mantel mit einem schwarzen Kreuz auf der linken Schulter, aus dem sich das später das Eiserne Kreuz entwickelte.

 

Neben Palästina wurde der Orden auch mit Einsätzen im nördlichen Balkan betraut. 1211 verließ der Deutsche Orden Palästina und bemühte sich im Burzenland (Siebenbürgen), die heidnischen Kumanen zu bekämpfen. 1211 wurde die Freistadt Kronstadt (heute Brasov) gegründet, der Kreuzzug scheiterte aber 1216, so dass der Orden den Balkan verlassen musste.

 

Bereits 1199 waren eine Ordensburg in Sonntag (Steiermark) und 1200 ein Hospital in Halle gegründet worden, was darauf hindeutet, dass der Orden den Charakter einer Hospitalbruderschaft beibehalten hatte. Gleichzeitig wurde der Orden nun mit der militärischen Sicherung der ostdeutschen Marken und der Missionierung der heidnischen Slawen und Litauer betraut. Unter dem ersten Deutschmeister Hermann von Salza (1216-1239) kam es 1225-26 zu einem Bündnis mit dem masowischen Herzog Konrad I, der nach dem Scheitern des Missionsversuches des ersten Preußenbischofs Christian seine Hoffnung auf den Deutschen Orden setzte und diesem in der umstrittenen Urkunde von Kruschwitz das Kulmer Land als Territorium anbot.

 

Hochmeister Hermann von Salza erreicht bei Kaiser Friedrich II die Bestätigung der Schenkung in der Goldenen Bulle von Rimini und zusätzlich alle außerhalb des Deutschen Reiches in Preußen gemachten Eroberungen.

 

Nach dem 1230 erfolgten päpstlichen Aufruf zum Kreuzzug gegen die Preußen begann ausgehend vom Waffenplatz Vogelsang bei Nessau/Weichsel ab dem Frühjahr 1231 unter Führung des Landmeisters Hermann Balk die Eroberung und Erschließung des heutigen Ost- und Westpreußens. 1231 wurde Thorn, 1232 Marienwerder und 1232 Kulm gegründet. Für den Bereich des Ordens wurde 1233 die Kulmer Handfeste als Vorbild des Stadtrechts erlassen, das vor allem in den Landstädten Gültigkeit erlangte, während in den Städten lübsches Recht galt. 1234 stellte der Papst das Kulmer Land und Preußen unter seinen besonderen Schutz und entzog es damit den Zugriffen des polnischen und des deutschen Königs. 1237 ging der livländische Schwertbrüderorden nach  einer schweren Niederlage gegen Litauen im Deutschen Orden auf. 1252 folgte die Gründung der Burg und der Stadt Memel, 1255 die Eroberung des Samlandes und Gründung von Königsberg, das seinen Namen nach dem vornehmsten Kreuzfahrer, König Ottokar II von Böhmen erhielt. 1290 wurde Semgallen erobert und  damit das Ordensgebietes bis an die litauische Grenze ausgedehnt. 1308 wurden Danzig und die Pommerellen erobert. Bei der Eroberung von Danzig kam es zu einem blutigen Massaker, dem aber mehr Deutsche als Polen zum Opfer fielen, da die da die polnische Besatzung der Burg ungehindert abziehen konnte. 1309 erhielt der Deutscher Orden im Vertrag von Soldin Danzig und die Pommerellen

 

Nachdem 1291 das Heilige Land endgültig verloren ging und der Deutsche Orden seinen Sitz nach Venedig verlegt hatte, folgte nun durch Hochmeister Siegfried von Feuchtwangen eine erneute Verlegung in die Marienburg, die bis 1393 zur größten Burg Europas ausgebaut wurde.

 

1343 kam es zu einer Verständigung mit Polen im Vertrag von Kalisch. Polen verzichtete auf Kulm und die Pommerellen, ohne sich aber damit endgültig abzufinden. 1386 kam es zum Bündnis zwischen Polen und Litauen, das zum Christentum über-trat und damit de facto dem Deutschen Orden die Existenzberechtigung entzog.

 

Der Orden beschränkte sich aber nicht auf  die südliche Ostseeküste, sondern errichtete 1398 eine Ordensniederlassung  auf Gotland und erwarb 1402 die Neumark als Pfand von Brandenburg. 1398/1404 fiel auch das litauische Samaiten an den Deutschen Orden.

 

Gegen das strenge Regiment des Ordens erhob sich nun Widerstand bei den Ständen und Städten, die nun auf Polen und Litauen setzten und auf deren Seite am 15. Juli 1410 dem Deutschordensheer bei  Tannenberg (Grunwald)  eine vernichtende Niederlage beibrachten. Damit begann der Stern des Deutschen Ordens zu sinken, die bisherige Vorherrschaft ging an Polen-Litauen bzw. Dänemark und die Hanse über. Im großen Ständekrieg 1454-56 unterlag der Orden erneut den mit dem polnischen König Kasi-mir IV verbündeten preußischen Städten und Adel, verlor 1457 die Marienburg an Polen, so dass der Ordenssitzes nach Königsberg verlegt werden musste. Der 2. Thorner Friede 1466 brachte weitere territoriale Verluste, Pommerellen, Kulmnerland, Marienburg und Elbing sowie das Bistum Ermland fielen an Polen.

 

Angesichts der sich verstär-kenden polnischen Macht und der Unzufriedenheit der Stände mit dem Ordensregiment war man nun bestrebt, Angehörige der deutschen Fürstenhäuser für das Amt des Hochmeisters zu gewinnen und damit sich die Unterstützung des Reiches zu sichern. 1498 wurde ein Wettiner, 1510 Markgraf Albrecht von Brandenburg-Ansbach  zum Hochmeister gewählt.

 

Albrecht von Brandenburg lehnte 1519 den Lehnseid gegenüber dem polnischen König ab und setzte auf Konfrontation, um die Unabhängigkeit des Ordensstaates wiederherzustellen. Aufgrund einer Empfehlung des sächsischen Adligen Dietrich von Schönberg nahm er Bündnisverhandlungen mit Russland und Dänemark für einen Krieg gegen Polen auf. Vergeblich bemühte er sich um eine Unterstützung des Kaisers.

 

Am 1.Januar 1520 begann der sogenannte „Reiterkrieg“ mit einem Überfall von Söldnertruppen auf Braunsberg, ständige Scharmützel im Ermland und an der Weichsel schlossen sich an. Albrecht hatte aber auch die preußischen Stände gegen sich, die Polen unterstützten. Nachdem die finanziellen Mittel des Ordens erschöpft waren, setzte sich auch Kaiser Karl V für ein Kriegsende ein, um diese militärischen Kräfte für einen drohenden Türkenfeldzug zu schonen.

 

Nach dem Übertritt zum lutherischen Glauben säkularisierte Albrecht von Brandenburg den Ordens-staat, u.a. auf Empfehlung Martin Luthers. Im Frieden von Krakau am 8.April 1525 belehnte der polnische König Albrecht von Brandenburg mit dem Herzogtum Preußen als weltlichem Erblehen. Dieser Schritt erhielt große Zustimmung seitens der meist zum Protestantismus konvertierten Ritter und Städter. Dazu gehörten auch die beiden Bischöfe von Samland und Pomesanien, die von der Regierung ihrer Hochstifte zurücktraten und deren Güter dem Herzog übertrugen. Albrecht gewährte dem Adel und den Städten landständische Rechte. Papst Clemens VII protestierte zwar gegen die Säkularisierung des Ordens-landes, ohne jedoch etwas ausrichten zu können. Die Reformation hielt im Herzogtum Einzug und Albrecht stiftete 1544 die lutherische Universität Königsberg.

 

Nach seinem Tod folgte ihm sein minderjähriger und gemütskranker Sohn Albert Friedrich nach, für den sein Vormund, Markgraf Georg-Friedrich von Brandenburg-Ansbach die Regentschaft übernahm. Dieser reorganisierte mit seinen fränkischen Beamten die Verwaltung und schränkte die Handlungsfreiheit der Landstände ein.

 

1530 ging die Hochmeisterwürde an den in Mergentheim residierenden Deutsch-meister über. Der Orden verfügte über umfangreichen Streubesitz, der in 12 Balleien (Bozen, Österreich, Elsass-Burgund, Lothringen, Franken, Hessen, Koblenz, Alten-Biesen, Utrecht, Westfalen, Sachsen und Thüringen) organisiert war.

 

1809 löste Napoleon den Deutschen Orden in Deutsch-land auf, während er in Österreich weiterbestand. Das Fürstentum Mergentheim als letztem Besitz in den Rheinbundstaaten wurde säkularisiert.

 

1834 wurde der  Deutschen Ordens als Sekundogenitur des Hauses Österreich wieder errichtet, österreichische Erzherzöge bekleideten bis 1918 das Amt des Hochmeisters. Papst Pius IX gewährte dem Orden am 21.November 1929 neue Statuten. Der nun geistliche Orden setzt sich seitdem aus Priestern, Brüdern und Schwestern zusammen, die sich vorwiegend mit der Krankenpflege befassen.

 

Im September 1938 wurde der Orden in Österreich, 1939 in Tschechien durch die Nationalsozialisten verboten, 1945 aber wieder errichtet. 1979 zählte der Deutsche Orden 86 Patres. U.a. besteht ein Hospital des Ordens in Bad Ems.