KLEINE EINFÜHRUNG IN DIE ETRUSKISCHE GESCHICHTE

Über die Herkunft der Etrusker, die sich selbst als Rasena bezeichneten, wird seit der Antike heftig diskutiert, ohne dass eine endgültige Entscheidung getroffen werden konnte. Nach wie vor stehen sich die Anhänger der "Einwanderungstheorie" Herodots und der *Urbevölkerungstheorie" (Autochthonentheorie) des Dionysos von Halikanassos unverändert gegenüber. Herodot geht im 5.Jh. v. Chr. davon am, dass ein Teil des in Kleinasien angesiedelten lydischen Volkes wegen einer dort herrschenden Hungersnot ausgewandert und denselben Weg genommen habe wie z.B. die Trojaner unter der Führung von Aeneas. Herodots Deutung wurde von den meisten klassischen Autoren wie Livius, Vergil, Ovid, Horaz, Tacitus und andern übernommen. Eine Gegenmeinung vertrat Dionysos von Halikanassos, ein Rhetoriker aus der Zeit Augustus, der in seiner Geschichte Roms die Etrusker als Stammbevölkerung Italiens bezeichnete. Danach sind die Etrusker Nachfahren einer altmediterranen, vorindogermanischen Bevölkerungsgruppe, die auch in Nordafrika und auf der iberischen Halbinsel siedelte. Wie dort hätten sich phönikische und griechische Kaufleute diesmal an der tyrrhenischen Küste nieder gelassen und mit der einheimischen Bevölkerung vermischt, die dann von den verschiedenen Einwanderungswellen der Italiker aufgesogen worden seien. Als Beweis dafür wird die Ähnlichkeit der Villanova-Kultur der Eisenzeit mit der frühetruskischen Kultur herangezogen. Die Anhänger der Einwanderungstheorie stützen sich auf Ähnlichkeiten in der Religion der Etrusker mit der der Hethiter. Wie diese pflegten auch die Etrusker die sogenannte Leberschau. So entspricht die "Bronzeleber von Piacenza* einem Tonmodell aus Babylon. Auch die lateinische Bezeichnung der etruskischen Priester als „hanispex“ bedeutet in der wörtlichen Übertragung "Leberbeschauer". Ein etruskischer Name ist bisher nicht bekannt. Ein weiteres Indiz ist die von F. Lehmann-Haupt um 1930 entdeckte Ähnlichkeit der Urartu-Kultur am anatolischen Van-See, sowie der Grabhügel mit denen des westlichen Kleinasiens. Da man zwar Gegenstände exportieren kann, nicht aber komplette Bauwerke, ist davon auszugehen, dass die Kenntnis der entsprechenden Architektur mitgebracht wurde. Da beide Theorien einerseits eine eindeutige Klärung der Herkunftsfrage nicht erlaubten, andererseits aber die jeweils offen bleibenden Fragen durch die andere erklärbar waren und auch die im 18. Jh. durch den Franzosen H. Freret geäußerte Theorie einer Einwanderung von Norden her durch archäologische Funde widerlegt wurde, ist wohl davon auszugehen, dass sich das Volk der Etrusker in mehreren Jahrhunderten aus verschiedenen Volkselementen gebildet habe.

Seit dem 8. Jh. v. Chr. kann man vermutlich von der Existenz eines «etruskischen" Volkes sprechen. Da aber etruskische schriftliche Zeugnisse nur sehr spärlich vorhanden sind, können die geschichtlichen Anfänge nur durch die Archäologie geklärt werden. Zwar gibt es zahlreiche Darstellungen der etruskischen Geschichte bei römischen Autoren, die sich auf verloren gegangene etruskische Schriften stützen, doch sind diese oft widersprüchlich und wenig aufschlussreich. Die Volkswerdung (Ethnifikation) dürfte vermutlich mit einem altmediterranen steinzeitlichen Hirtenvolk begonnen haben. In der Bronzezeit (ca. 1900 - 1000 v.Chr.) entstand dann eine Bauernkultur, die als "Belverde-Centona-Kultur* bezeichnet wird, weil das Zentrum in der Nähe des Schlosses Belverde am Monte Centona in der Nähe von Chiusi vermutet wird. Sie pflegten bereits die Kunst der Keramik, ohne aber die Töpferscheibe zu kennen. Etwa um das Jahr 500 entstehen die ersten griechischen und phönizischen Kolonien an der tyrrhenischen Küste, denen einige Jahrhunderte später von Istrien aus die indoeuropäischen Einwanderungswellen der Umbrier, Sabiner und Latiner folgten. Gleichzeitig drang aus Mitteleuropa die *Umenfelderkultur" nördlich des Appenin ein und brachte die "Villanova-Kultur" hervor.

Etrurien war ein sehr landwirtschaftlich genutztes Gebiet. Im Arno-Tal sowie im Gebiet um den Trasimenischen See wurde Getreide- und Weinbau betrieben. Darüber hinaus gab es Kupfervorkommen bei Volaterrae, Populonia und Vetulonia und Eisenvorkommen auf der Insel Ilva (Elba). Die Erze wurden auf dem Landweg nach Mitteleuropa, auf dem Seeweg nach Griechenland und dem Onent exportiert. Um 1000 v. Chr. gründeten die aus Kleinasien stammenden Tyrrhener zwischen der Arno- und der Tibermündung mehrere Handelsniederlassun-gen (Caere, Targuinii, Populonia), die sich recht bald zu Städten entwickelten. Sie veränderten die vorhandene «Villanova-Kultur" sehr stark, ohne sie aber völlig zu verdrängen. Deutlich wird dies auch an der starken Veränderung der Grabhügel, die denen Kleinasiens entsprechen.

Sicher ist, dass es niemals ein einheitliches etruskisches Reich gegeben hat. Es gab lediglich zwei Städtebünde, die die Städte zusammenfasste, die nördlich bzw. südlich einer Linie lagen, die von Grosseto südlich des Bolsaner Sees zum Tiber verlief. Zum südlichen Bund gehörten die Städte Caere (Cerveteri), Tarquinia, Populonia, Roselle, Vetulonia, Veji, Volsinii (Bolsena), Orvieto, Chiusi, Perugia, Cortona, Arezzo, Volterra und Fiesole. Zur Regelung der internen Fragen bestand im südlichen Bund eine jährlich tagende Versammlung im Nationalheiligtum "Fanum Voltumna“, dem Beschlüsse für alle bindend waren. Dieses lag in der Nähe des Bolsena-Sees, konnte aber bis heute nicht aufgefunden werden.

Die politische Einheit war der Stadtstaat. Eine durch eine feste Mauer gesicherte Siedlung kontrollierte das umlegende Gebiet, ohne dies aber flächendeckend zu beherrschen. Die Herrschaft innerhalb der Städte wurde von Königen wahrgenommen, neben denen aber adlige Familien immer mehr an Bedeutung gewannen, da sie allem das Burgerrecht hatten und Waffen tragen durften. Innerhalb der Städte gab es einen Rat der Altesten (Senat), eine Volksversammlung (Kuriatkomitien), Wahlbeamte, Amtsdiener (Liktoren) mit dem Rutenbündel (Fascis) als Zeichen der Gewalt über Leben und Tod.

Die Etrusker dehnten im 6. Jh. ihren Herrschaftsbereich weiter bis in die Poebene aus und übernahmen die Herrschaft über Rom. 598 wurde Campanien besetzt und Capua gegründet. 540 besiegten die Etrusker und die mit ihnen verbündeten Karthager in der Seeschlacht von Alalia eine griechische Flotte und vertrieben die Griechen aus Korsika. Um 525 wurden die Hafenstädte Spina und Adria für den Export von Kunstgeräten und Bronzegeräte errichtet.

Das aus Tarquinia stammende Geschlecht der Ruma schloss die bis dahin auf den sieben Hügeln bestehenden latinschen und sabinischen Siedlungen zusammen und erweiterten durch die Trockenlegung der Sümpfe in der Nahe des späteren Forums mit der „Cloaca Maxima“ den Siedlungsraum. Nur etruskische Architekten waren damals zur Realisierung eines derartigen Projekts in der Lage. Die Vermessungsrichtlinien der Etrusker (ritu etruco) wurden später von den Römern übernommen und in "De agrimensoribus" neu veröffentlicht. Die Königsherrschaft mit insgesamt sieben Königen endete 510 v. Chr. mit der Vertreibung von Tarquinius Superbus. Vorübergehend gab es unter König von Porsenna von Clusium eine Wiederherstellung der etruskischen Herrschaft, schließlich setzte sich aber die latinische Oberschicht durch und installierte die Republik. Gleichzeitig setzte die römische Expansion nach Etrurien ein. Zwischen 482 und 474 gab es den 1. Krieg zwischen Rom und Veji und eine Niederlage in der Schlacht von Aricia gegen die mit Kyme verbündeten Latiner. 474 v. Chr. folgte eine Niederlage in der Seeschlacht von Kyrne gegen Hieron von Syrakus. Nach 450 kam es zu einer großen Wirtschaftskrise. Die etruskischen Küstenstädte verloren nach der Versumpfung der Maremma und der Ausbreitung der Malaria immer mehr an Bedeutung und wurden schließlich verlassen. Viele konnten erst in jüngster Zeit entdeckt und ausgegraben werden. Zwischen 438 und 425 folgte der 2. Krieg zwischen Rom und Veji. 426 wurde die mit den Etruskern verbündete sabinische Stadt Fidenae von den Römern zerstört. 423 besetzten die Samniten Capua und bewirkten gleichzeitig die Auflösung des südetruskischen Städtebundes. Einige Städte wie Caere und Tarquinia bemühten sich in einem Bündnis mit Athen unter der Führung von Alkibiades um die Wahrung ihrer Seeverbindungen gegenüber Syrakus und siegten 413 v. Chr. in den Sümpfen von Syrakus.

Unterdessen geriet der nördliche Bund unter den Druck der von Norden eindringenden Gallier, die ihn schließlich 400 v. Chr. zerschlugen. Die Bevölkerung der Städte floh einerseits nach Norden in die Alpentäler, andererseits nach Süden. 396 wurde Veji nach 10jähriger Belagerung zerstört, nachdem es versäumt hatte, die etruskische Bundesversammlung um Hilfe anzurufen. Veji wurde zerstört und der Stadtstaat in vier römische Tribus (Sabatina, Stellatina, Tromentina, Arnensis) aufgeteilt. Die folgenden beiden Jahrhunderte waren von ständigen Auseinandersetzungen zwischen Rom und Tarquinia bzw. Caere gekennzeichnet. Die etruskisch-römischen Kriege endeten nach den Samniterkriegen mit den verlorenen Schlachten bei Sentinum (295 v.Chr.), am Vadimonischen See (283 v.Chr.) und Volsinii (265 v.Chr.) mit dem Verlust der Eigenständigkeit der letzten etruskischen Städte. 225 waren alle etruskischen Städte in Bündnisverträgen mit Rom verbunden. Es gab zwar immer wieder kleinere und größere Aufstände, letztlich aber bestimmte Rom in der Folgezeit die Geschicke des etruskischen Volkes.

Gleichzeitig mit den Stadtgründungen wurde auch eine Schrift eingeführt. Die Tyrrhener besaßen ursprünglich vermutlich eine Silbenschrift minoischen Typs, was sich aus dem Punktierungssystem der ältesten Inschriften ablesen lässt (so der österreichische Etruskologe Emil Vetter), übernahmen aber bereits während ihrer Wanderung das westgriechische Alphabet der süditalienischen Stadt Cumae. Dabei verzichtete man auf die Buchstaben B, D, 0 und 0, da sie im Etruskischen nicht vorkommen, behielt die griechischen Buchstaben Theta, Phi und Chi bei und ergänzte das Alphabet durch das lydische F und das phönikische S. Aus der etruskischen Schrift wurde später die oskisch-umbrische und wahrscheinlich auch die lateinische Schrift abgeleitet. Die von rechts nach links geschriebene etruskische Schrift war zwar immer lesbar, nur übersetzt werden konnte sie lange Zeit nicht. Da es keine Verwandschaft mit einer der großen Sprachfamilien gibt, mussten sprachvergleichende Methoden scheitern. Ähnlichkeiten wurden von M. Pallottino zu kleinasiatischen Inschriften festgestellt. Die Übereinstimmung mit einigen kaukasischen Dialekten und dem Baskischen sind umstritten. Größeren Erfolg hatte die philologisch-historische Methode, die die etwa 20000 bekannten Inschriften auf Gräbern, Urnen und Grabbeigaben mit religiösen Formeln benachbarter Sprachen verglich und dabei rd. 300 Worte ermittelte. Nach 1893 wurden diese im "Corpus inscriptionum etruscarum“ veröffentlicht. An größeren Schriftstücke sind bislang nur vier bekannt: die Tontafel von Capua, die Zagreber Mumienbinden, der *Cippus Perusinus* und die Goldbleche von Pyrgi. Der italienische Schriftsteller Varre bezieht sich Ende des 2. Jh. v.Chr. auf "Tuscae histonriae" und wies auf einen etruskischen Tragödiendichter namens Volnius (Velna) hin.

Mit der engen Bindung an Rom und dessen Politik der Assimilation fremder Völker an die lateinische Kultur, die sich u.a. in der Übernahme bzw. Gleichsetzung etruskischer Gottheiten mit römischen ausdrückte, ging die Bedeutung der etruskischen Sprache immer mehr zurück und wurde schließlich völlig verdrängt. Das letzte bekannte etruskische Werk, die 20bändige "Tyrrhenika", aus der u.a. Tacitus mehrfach zitierte, wurde von Kaiser Claudius, der mit einer Etruskerin namens Urgulanilla verheiratet war, in einem besonderen Anbau der Bibliothek von Alexandrien aufbewahrt, ging dann aber bei einem der Brände 270 bzw. 391 n.Chr. verloren.

Während die meisten abendländischen Religionen auf Naturmythen zurückgehen ist die etruskische Religion wie die des Orients eine Offenbarungsreligion. Sie stellt eine Mischung kleinasiatischer Religionen mit griechischen und latinischen Elementen dar. Das Götterkind Tages, ein Junge mit Greisengesicht, wurde von einem Bauern bei Tarquinia auf dem Feld in einer Ackerfurche gefunden. Es erzählte von der Entstehung der Welt und der Götter und versank dann wieder in der Erde. Die ursprünglich primitiven Gottheiten wurden unter griechischem Einfluss "weiterentwickelt« und den griechischen Göttern gleichgesetzt. Es ist aufgrund der mangelhaften Überlieferung aber zweifelhaft, ob sie diesen voll entsprachen. Die etruskischen Gottheiten wurden zu Triaden zusammengefasst.

himmlische Trias: Tinia(Zeus) - Uni(Rem) - Aisera(Athene)

chronische Trias: Calu - Thamr - Vanth

Begleiterinnen der Turan (Aphrodite): Lasa - Mundiu - Ibalna

männliche Dämonen der Unterwelt:. Charu - Tuchulcha - Phersu

weibliche Dämonen der Unterwelt: Vanth - Culsu - Leinth

Andere Götter waren. Aita (Hades), Aritume (Artemis), Fufluns (Dionysos), Maris (Ares), Phersipnei (Persephone), Sethlans (Hephaistos), Turms (Hermes). Daneben sind als weitere Götter Veltha und Nortia bekannt. Veltha war anfangs eine chtonische Gottheit mit unbestimmter Gestalt und wurde in Südetrurien verehrt. Aus ihm wurde dann der etruskische Nationalgott Veltumna oder Vertumna, dem ein eigenes Heiligtum bei Volsinii errichtet wurde. Nortia war die Schicksalsgöttin. In ihrem Heiligtum wurde jedes Jahr ein Nagel eingeschlagen, der sinnbildlich den Abschluss eines Jahres und die Verbannung aller Angelegenheiten in die Unterwelt darstellte. Über diesen Göttern wurden weitere 12 namenslose Gottheiten als die *Verhüllten Namenlosen" (Dei consentes) angesiedelt, die das Schicksal darstellen sollten.

Obgleich keine kompletten Schriften über die etruskische Religion vorhanden sind, lässt sich diese aus den Inschriften und Zitaten antiker Schriftsteller wie z. B. Cicero, (De divinatione) darstellen. In der "Disciplina etrusca" waren alle Regelungen der Beziehungen zwischen den Göttern und den Menschen dargestellt. Die Leber der Opfertiere Schaf, Ziege, Kalb und Huhn wurde von den "Haruspices" in 16 Götterhäuser eingeteilt. Bei der Blitzschau gab es die gleiche Einteilung. Neun Blitzgötter sandten verschiedene Blitze zur Erde, die nach ihrer Form und ihrem Einschlag ausgewertet wurden. Die Vogelschau wurde wie in Rom ausgewertet.

Das menschliche Leben war von den Göttern vorbestimmt und gliederte sich in Abschnitte, die als *saecula" bezeichnet wurden, aber nicht hundert Jahre, sondern unterschiedlich lange dauerten. Die ersten vier etruskischen *Jahrhunderte« dauerten 100, das fünfte 123, das sechste und siebte je 119 Jahre. Das 8. "Jahrhundert" endete nach Plutarch 88 v.Chr., dem Jahr in dem die Etrusker das römische Bürgerrecht erhielten. Daran schloss sich das 9. mit nur 44 Jahren Dauer an. Im 10. Jahrhundert verschmolzen die Etrusker mit den italischen Völkern. Daraus ergibt sich als Anfangsjahr der etruskischen Zeitrechnung das Jahr 967 v. Chr., das dem Jahr der Einwanderung entsprechen könnte. Das dem etruskischen Volk von den Göttern nur eine gewisse Lebensdauer zugemessen wurde, erklärt den Fatalismus, mit dem sich das etruskische Volk seinem Schicksal ergab. Gleichzeitig zeigt auch die etruskische Kunst eine Mischung von Freude am Diesseits mit dem Leben im Jenseits.

Den Schwerpunkt der überlieferten etruskischen Baukunst bildeten die Grabanlagen. Im 7. Jh. kamen Stollengräber auf, bei denen lange Gänge, teils gemauert und dann mit Erdhügeln abgedeckt, teils in Felsen gehauen wurden. Ein anderer Typ sind die Kuppelgräber, bei denen die Kuppel durch vorkragendes Mauerwerk errichtet wurde. Auch diese Gräber wurden mit Erdhügeln abgedeckt. Im 6. Jh. baute man ein- oder mehrräumige Kammergräber, deren Grabhügel durch eine Ringmauer begrenzt und befestigt wurde. Später folgten Würfelgräber, die aus Felsen herausgehauen oder mit Steinen aufgemauert wurden. Die Wandmalereien und die Ausstattung der Gräber geben einen Einblick in den gehobenen Lebensstil der Etrusker. Die Tempel bestanden in der Regel aus dem Heiligtum (Cella) und einem meist gleichgroßen Vorraum, die auf steinernen Fundamenten Lehmziegelwände und ein Holzgebälk mit einem steilen Giebeldach trugen. Die Wände waren mit Tonplatten verkleidet. Die Säulen waren meist aus Holz. Aus der bereits erwähnten Eigenart der Etrusker, die Götter in Triaden zusammenzufassen, ergibt sich auch die Konzeption des um 500 v.Chr. in Rom errichteten Jupitertempels, der drei "Cellae" aufwies. Die plastische Kunst befasste sich vor allem mit Urnen und Freiplastiken aus Ton wie z.B. den Apollo von Veji (Museo di Villa Giulia). Bronzestatuen etruskischer Herkunft sind z.B. die Kapitolinische Wölfin (Konservatorenpalast Rom) und der Redner (Archäologisches Museum Florenz). Gegenüber den meist griechischen Vorbildern ist eine größere Natürlichkeit festzustellen. Dies gilt auch für die zahlreichen Kleinplastiken, die als Grabbeigaben gefunden wurden.

Aber auch die in den Gräbern vorhandene Wandmalerei mit Darstellungen von Tieren, Reiten, Tänzen, Totenehrungen, Jagdszenen und mythologischen Darstellungen sowie die Darstellung von Landschaften, was in Griechenland nicht üblich war, drücken bis weit ins 4. Jh. die Lebensfreude der Etrusker aus. Dies änderte sich ab dem 4.Jh., in dem Todesdämonen und Darstellungen der Totenwelt vorherrschen. Das etruskische Kunsthandwerk war sehr exportorientiert. Bronzegeräte und gravierte Spiegel wurden überall in der damals bekannten Welt abgesetzt. Die schwarzpolierten Buccherovasen und die rotgebrannten Reliefvasen waren ebenfalls Exportschlager.

Dr. Klaus Reimer